Die Geschichte von BUER
Südlich des Wiehengebirges liegt in hügeliger Landschaft das Kirchspiel Buer, in den Grenzen etwa identisch mit der ehemaligen Samtgemeinde Buer.
Nachweisbare Besiedlungen gab es in der Bronze- und Eisenzeit (ca. 700-500 v.Chr.). Bei Wetter wurde ein Hügelgräberfeld gefunden mit Urnen.
Um Christi Geburt lebten in der Gegend germanische Stämme, z.B. die Cherusker. Die Römer versuchten vergeblich ihr Reich nach Norden auszudehnen und haben verschiedene Feldzüge in diese Region unternommen. Am Nordrande des Wiehengebirges, 30 km von Buer entfernt, wurden 3 römische Legionen von germanischen Truppen vernichtet.
In der Zeit von 500 bis 700 n.Chr. breitete sich der germanische Stamm der Sachsen in Nordwestdeutschland (dem heutigen Niedersachsen) aus. Die Sachsen waren Bauern. Die Gegend um Melle nannten sie „Graingau“ (heute Grönegau). Das Gebiet um Buer war damals überwiegend dichter Wald und Buschland, in dem nur kleine Siedlungsinseln existierten.
Die Sachsen bauten rechteckige hölzerne Pfostenhäuser, Vorläufer der niedersächsischen Bauernhäuser. Sie siedelten auf Einzelhöfen oder mit einer Sippe in kleinen Dörfern. Es ist wahrscheinlich, daß folgende Orte bei Buer in dieser Zeit entstanden: Buer, Löhlingdorf, Tittingdorf, Wehringdorf, Düingdorf, Wetter, Sehlingdorf, Meesdorf .
Ab 772 begann der Kampf der christlichen Franken gegen die heidnischen Sachsenstämme. Er währt bis nach 800. Die Franken gründeten Kirchen in Osnabrück und Melle und missionierten nach und nach die widerspenstigen Sachsen. Durch weitere Rodungen um Buer wurden die Bauernschaften vergrößert. An 8 Stellen bei Buer errichteten die Franken beherrschende Bauernhöfe, die sogenannten Meyerhöfe:
Buer, Wetter, Tittingdorf, Bulsten, Barkhausen, Sehlingdorf, Hustädte, Meesdorf
Wann die erste hölzerne Kirche in Buer errichet wurde, ist unbekannt (vielleicht um 1000). Ein befestigter Kirchenbau aus Stein stammte angeblich aus dem Jahre 1111.
Die frühesten urkundlichen Erwähnungen von Buer und umliegender Bauernschaften reichen nur in diese Zeit zurück:
1000: Metdisdorphe ( Meesdorf )
1050: Thiedeningthorpe ( Tittingdorf )
1150: Liudolfinctorpe ( Lölingdorf )
12.Jh: Bulseten ( Bulsten )
12.Jh: Ecquardinctorpe ( Eggendorf )
1204: Dodinctorpe ( Düingdorf )
1209: Bure ( Buer )
1215: Wettere ( Wetter )
1223: Werßholthusen ( Holzhausen )
1223: Selencthorpe ( Sehlingdorf )
1230: Eknen ( Eicken )
1240: Bareghusen ( Barkhausen )
1244: Weringtorpe ( Wehringdorf )
Der erste erwähnte Hofname ist Plohr in Wetter (1216).
Buer lag am östlichen Rand des Bistums Osnabrück; angrenzend an das Bistum Minden. Im Mittelalter gab es hier häufig Grenzstreitigkeiten.
In dieser Zeit geraten viele Bauern auch in die Fehden der ritterlichen Besitzer des Umlandes und begeben sich nach und nach in den Schutz der Kirche und des Adels. Zwei der adeligen Burghäuser befanden sich am Rande des Kirchspiels Buer: Ostenwalde und Huntemühlen.
Die meisten Bauern wurden im Mittelalter ihren Grundherren eigenbehörig. Nur etwa 10% der Höfe in und um Buer blieben frei.
Ein Schatzregister aus 1593 zählt insgesamt 298 Bauernhöfe im Kirchspiel Buer. Die Klassifizierung der Höfe blieb über Jahrhunderte festgeschrieben: Die Vollerben (113) und Halberben (10) waren die Großbauern; meist die ältesten Stätten im Ortskern. Sie wurden über Generationen vererbt, sofern die Grundherren dem zustimmten.
Die Erbkötter (92) und Markkötter (83) waren kleinere, später gegründete Höfe am Ortsrand.
Um 1550 ist das Kirchspiel Buer geschlossen zum lutherischen Glauben übergetreten.
Ab 1600 nahm die Bevölkerung stetig weiter zu. Es bildete sich der Stand der besitzlosen Heuerlinge heraus, die in Kotten und Backhäusern der Großbauern zur Miete wohnten. Der einsetzende Flachsanbau ermöglichte den Heuerlingsfamilien durch Spinnen und Weben ein zusätzliches Einkommen.
Während des 30-jährigen Krieges 1618-1648 wurde die Gegend zwar von Kampfhandlungen verschont, hat aber häufiger Heerlager beherbergen müssen.
Ab 1671 wurde in Buer ein Kirchenbuch geführt. Die Heiratseinträge und Begräbnisse sind vollständig, die Taufen erst ab 1711 erhalten.
Im 18. Jahrhundert nahm die Nutzung des gemeinsamen Weide- und Waldlandes immer mehr zu; die Buersche Mark wurde schonungslos ausgebeutet.
Im Jahre 1763 wurde daher die Markenteilung beschlossen. Jeder Bauer erhielt seinem Stande entsprechend einen Teil des umliegenden Waldes.
1807 begann für Norddeutschland die Franzosenzeit. Buer wurde „Mairie“ und damit ein Teil der französischen Verwaltungsstruktur. Auch wenn diese Zeit schon 1813 mit Napoleons Niederlage endete, wurden einige liberale Reformen wirksam.
Die eingeleitete Bauernbefreiung sollte noch auf sich warten lassen. Das Königreich Hannover, zu dem Buer nun gehörte, erließ 1831 ein Ablösegesetz. Dieses versprach den Bauern die Möglichkeit, den Hof von den Grundbesitzern „freizukaufen“. So geschah es in den folgenden Jahren auch in der Vogtei Buer.
Von 1820 an (bis 1973) war Buer der Sitz der evangelisch-lutherischen Superintendantur für die Kreise Melle und Wittlage.
Die alte Kirche war zu klein und baufällig geworden. Bereits seit 1818 wurden die Toten nicht mehr im Ortskern direkt neben der Kirche, sondern auf einem abseits gelegenen Friedhof beerdigt. 1852 wurde das alte Gotteshaus abgerissen. Die heutige St.Martinikirche wurde 1855 vollendet. Der 67 m hohe Kirchturm, genannt der „spitze Bleistift“, ist seitdem das Wahrzeichen des Ortes.
Im 19. Jahrhundert nahm die Bevölkerung von Buer erneut stark zu. Im Jahre 1842 hatte das Kirchspiel bereits 5800 Einwohner, davon waren etwa 2/3 besitzlose Heuerlinge und Tagelöhner. In ganz Nordwestdeutschland setzte ab 1840 eine starke Auswandererbewegung ein . Insgesamt emigrierten weit über 4.000 Menschen aus dem Kirchspiel Buer nach Amerika.
Das Jahr 1866 markierte das Ende des Königreichs Hannover. Buer wurde preussisch; 1871 wurde Preußen ein Teil des Deutschen Reiches.
Viele junge Menschen aus Buer starben als Soldaten der beiden Weltkriege. Ein Kriegerdenkmal auf dem Friedhof von Buer erinnert an die Gefallenen.
Im Rahmen einer Gebietsreform wurde die Samtgemeine Buer 1972 ein Teil der Stadt Melle.
Buer ist auch heute noch ländlich geprägt. Da es weder große Industrien noch touristische Höhepunkte hat, blieb es immer ein wenig abgeschieden und beschaulich. Vielleicht gut so.
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