AUSWANDERUNGS-KONSENS

Oben: Auswanderungs-Konsens des 19-jährigen Friedrich Wilhelm Nienhueser aus Barkhausen bei Buer.
Seine Akte zeigt, daß es nur einige Wochen dauerte, bis er sich durch die preussische Bürokratie gekämpft hatte:
14. März 1870: the Gemeindevorstand von Barkhausen bei Buer hat keine Einwendungen
25. April 1870: Der Vogt von Buer schreibt einen Brief an den Kreishauptmann in Melle, in dem er die Gründe für die Auswanderung erläutert und um Zustimmung bittet (Text siehe unten)
07. Mai 1870: Auch das Militär hat keine Bedenken: Bescheid der Königlichen Kreisersatz-Kommission
13. Mai 1870: Die Königlich Preussische Landdrostei in Osnabrück erteilt die Genehmigung, die Wilhelm Nienhüser am 21.Mai 1870 ausgehändigt wird (siehe Bild oben).
Wahrscheinlich schon am folgenden Tag fährt Wilhelm mit dem Zug nach Bremen, begleitet von seinen beiden Brüdern Jobst, 25 and Hermann, 16. Der jüngste scheint sich nicht um eine Genehmigung geschert zu haben (wie übrigens die meisten Auswanderer).
Text des Ersuchens vom Vogt Ulrici aus Buer:
Der Amtsvogt Ulrici zu Buer
Buer den 25.April 1870
An den Herrn Kreishauptmann Süs, Hochwohlgeboren in Melle
Betr.: den nachgesuchten Auswanderungsconsens für Friedrich Wilhelm Nienhüser zu Barkhausen, K. Buer, geb. d. 12.Janr. 1851.
Zu Barkhausen Kirchsp. Buer lebt ein armer Heuermann Franz Heinr. Nienhüser, welcher mit seiner Ehefrau Marie Elsabein geb. Baumeyer eine große Reihe von Kinder gezeugt hat, von welchen die drei ältesten früher auf gehörige Weise nach Amerika ausgewandert sind, und wie ich erfahren in Cincinati ihr gutes Fortkommen gefunden haben, so daß sie ihren hiergebliebenen Eltern aus dankbarer Liebe Gutes erweisen können.
Aus einem vom 4ten April datierten Briefe habe ich nun erfahren, daß die Geschwister bemühet sind, drei von Nienhüsers hiesigen Kindern zu sich nach Amerika zu ziehen, und hat ein Nienhüserscher Schwiegersohn, namens Löhr, durch Vermittelung des Hauses J. Niehaus in Cincinati die freie Passage von 3 Personen aus der Familie Nienhüser im Zwischendeck auf einem Bremer Dampfschiffe bezahlt, worüber mir der Passage-Schein vorliegt, den das Haus Lüdering & Co. in Bremen verbindlich anerkennt.
Unter diesen drei auswandernden Kindern des Nienhüser befindet sich ein zu Sehlingdorf im Kirchspiel Buer am 12.Januar 1851 geborener Sohn Friedrich Wilhelm, der eines Auswanderungskonsenses bedarf und für den der Vater einen solchen bei mir nachgesucht hat.
Euer Hochwohlgeboren übersende ich nun anbei den Geburtsschein und eine Bescheinigung des Gemeindevorstandes, womit ich den Antrag verbinde:
Den Consens zur Auswanderung des Friedr. Wilh. Nienhüser de 1851 hochgeneigtest zu erwirken. Unter bewandten Vorschriften scheint eine absichtliche Umgehung der Militairpflicht nicht vorzuliegen, der eingesehene Brief con Cincinati deutet blos auf das erwünschte Fortkommen der Kinder, für welche die Eltern hier nichts tun können.
Der Amtsvogt
J.Ulrici
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